Was die Zukunft wohl bringt, sag ich und lasse mir
die Füße vom Wasser überspülen. Vor wenigen
Minuten war hier noch trocken gewesen, aber die
Flut steigt schnell.
Vielleicht sollte die nahe Zukunft sein, dass wir zu
deinem Strandtuch zurückgehen, sagt Gott.
Ok, sag ich und warte noch eine Welle ab, bevor ich
hinter Gott her zurück zu dem ehemals weißen Tuch
gehe, das ich auf den Sand gelegt und an den Ecken
mit Muschelhügelchen beschwert hatte.
Ich bin manchmal froh, dass ich früher nicht gewusst
hab, was später kommen würde, sag ich.
Krass, dass du diese Möglichkeit nicht hast.
So ist das beim Gottsein, sagt Gott.
Manchmal würde es uns vielleicht auch Mut machen,
zu wissen, dass sich vieles zum Guten wenden kann, sag ich.
Dass das möglich ist, wisst ihr doch, sagt Gott.
Wir hoffen das, sag ich. Schon sehr lange.
Ich weiß, sagt Gott.
Zum Beispiel, dass du alle Waffen im Meer versinken
lässt und unbrauchbar machst, sag ich. Und zwar
ohne dass das dann ein Umweltproblem wird. Und
dass dann was gutes Neues entstehen kann.
Ja, sagt Gott.
Machst du das auch?, frag ich.
Ach, sagt Gott. Du weißt doch, dass das alles nicht so
einfach ist.
Vermutlich, sag ich.
Wir schweigen eine Weile und sehen der Flut beim
Steigen zu.
Vor dem Meer sind wir alle sehr klein, sag ich.
Gott dreht sich zu mir und mustert mich.
Gut erkannt, sagt Gott dann.
Und wir können nur hoffen, dass wir miteinander
auskommen, sag ich.
Wer jetzt?, fragt Gott. Ihr und das Meer oder ihr
untereinander?
Beides, sag ich. Obwohl, ein bisschen was tun können
wir sicher auch dafür.
Das glaub ich wohl auch, sagt Gott.
Und das meiste vom Meer wissen wir noch gar nicht, sag ich.
Was es da alles an Leben in der Tiefsee gibt und so.
Gott lächelt.
Vielleicht wissen wir auch das meiste von dem noch
nicht, was wir miteinander Gutes erreichen können, sag ich.
Gott lächelt noch mehr.
Ich mag das, wenn ich bei dir auf neue Gedanken komme,
sag ich.
Das freut mich, sagt Gott.
Wir schweigen wieder.
So, sag ich schließlich. Ich pack‘s.
Ok, sagt Gott. Ich auch.
Danke, dass du da warst, sag ich.
Immer gern, sagt Gott.
Bis bald mal wieder?, frag ich.
Ja, bis bald mal wieder, sagt Gott. Hab es gut. Und
Amen.
(Dr. Annette Jantzen, Meditative Texte zum diesjährigen Hungertuch; www.miserior.de