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Herbstfreizeit 2021

Veranstaltungen

Mo 26.10.2020,
18:00 - 21:00 UhrBienenwachstücher selber herstellen – ein ökologischer Ersatz für die Alufolie

28.04.2020

Impuls vom 29.04.2020 - Einsamkeit will gelernt sein

Einsamkeit will gelernt sein


Die Menschen müssen Abstand zueinander halten.

Das kann Einsamkeit bedeuten.

Doch Einsamkeit zu erleben und auszuhalten ist nicht für jede*n einfach.

Wer wählt schon unfreiwillig das Dasein als Eremit*in.

An vielen Orten erblühen neue Formen des gemeinsamen geistlichen Lebens, 

die oft mehr und Anderes bieten als manch Eucharistie-Lifestream.


Genauso suchen wir auch nach Wegen unsere Freundschaften, 

Beziehungen lebendig wie zuvor zu halten. 

Denn aus der körperlichen Distanz sollte keine soziale Distanz  werden.

So wurde per Zoom oder Skype Ostern zusammen gefeiert 

und Kaffeepausen und Abendbiere werden 

auf diese Weise gemeinsam gestaltet. 


Aber auch das geht schnell vorüber und hinterlässt eine Leere und Stille, 

die aktuell nicht so leicht zu übertönen und zu verdrängen ist.


Wir müssen neu lernen, mit Einsamkeit umzugehen.

In der Einsamkeit Gott suchen trotz aller Widrigkeiten, 

gilt schon in der Bibel als große Tugend.

Und wir machen vielleicht die Erfahrung, dass das Gebetsleben uns guttut. 

Jesus als Wegbegleiter. 


Das Leben formulieren, das Leben in Worte, in Gedanken fassen -  ist Gebet

und die Erfahrung der Bibel zulassen,

ich brauche nicht einen Ortswechsel vorzunehmen, um Gott zu finden, 

denn „Das Himmelreich ist in euch“. 

Wir selber können mit Gottes Geist, im Sinn Jesu die Wege gerade machen 

und die Schönheit und Harmonie im Miteinander selber schaffen.


Diese vermehrte Innerlichkeit, das Inne-halten in aller Gewohnheit

kann uns regenerieren, auf andere Gedanken bringen und 

zum Wesentlichen zurückführen,

„der ganze kleinbürgerliche Kram, alles Überflüssige muss 

beiseite geschoben werden“1.

„Hör auf die Stille!“

Die Frage, Was hätte Jesus wohl getan?, kann weiterführen.

(Etty Hillesum, Das denkende Herz)


Ein Text, der durch die in oder andere Minute der Einsamkeit helfen mag, stammt ebenso von Etty Hillesum aus genanntem Buch.

Aus den Tagebüchern der jüdischen Gelehrten Etty Hillesum (+1943 in Auschwitz-Birkenau)

Es sind schlimme Zeiten, mein Gott. Heute Nacht geschah es zum ersten Mal, dass ich mit brennenden Augen schlaflos im Dunkeln lag und viele Bilder menschlichen Leidens an mir vorbeizogen. Ich verspreche dir etwas, Gott, nur eine Kleinigkeit: Ich will meine Sorgen um die Zukunft nicht als beschwerende Gewichte an den jeweiligen Tag hängen, aber dazu braucht man eine gewisse Übung.  Jeder Tag ist für sich selbst genug. Ich will dir helfen, Gott, dass du mich nicht verlässt, aber ich kann mich von vornherein für nichts verbürgen. Nur dies eine wird mir immer deutlicher: dass du uns nicht helfen kannst, sondern dass wir dir helfen müssen, und dadurch helfen wir uns letzten Endes selbst. Es ist das Einzige, auf das es ankommt: ein Stück von dir in uns selbst zu retten, Gott. 


27. April 2020                  Margret Dieckmann-Nardmann





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