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Aktuelles

Wellendorf - Zeltlager im Sauerland vom 01.07.2018 - 10.07.2018

Veranstaltungen

So 22.10.2017,
17:00 UhrKonzert in St. Pankratius Borgloh

29.01.2015

Besuch in der Yesidischen Gemeinde in Bielefeld am 08.01.2015

Besuch in der Yesidischen Gemeinde in Bielefeld am 08.01.2015

Auf Einladung von Bezar Akman besuchten Mitglieder der Pfarreiengemeinschaft am Teutoburger Wald und weitere Interessierte die Yesidische Gemeinde in Bielefeld. Bezar lebt mit ihrer Familie in Dissen und hat Kontakt zu einer Frauengruppe der Pfarreien-gemeinschaft. Aufgrund der dramatischen Meldungen über die Verfolgung der Glaubens-gemeinschaft, der Verschleppung und Vergewaltigung von Frauen und Mädchen in den letzten Wochen des vergangenen Jahres im Nordirak und auch in der Türkei war der Besuch ein Zeichen der Solidarität mit der Glaubensgemeinschaft. Uns erwarteten im Gemeindehaus ein gedeckter Tisch und Männer und Frauen, die bereit waren, auf unsere vielen Fragen eine Antwort zu geben. Bisher hatten wir wenig über den Glauben der Yesiden gehört. Wir erfuhren, dass die Religion ihren Ursprung vor 3 – 4 Tausend Jahren hat und die Menschen yesidischen Glaubens in Kurdistan, heute im Nordirak, Iran, Syrien und der Türkei, beheimatet sind. Sie glauben daran, dass die Welt von Gott erschaffen ist (Monotheismus), der Mittwoch ist der heilige Tag, denn an diesem Tag wurde die Welt geschaffen. Es sind keine Schriften wie der Koran, die Bibel verfügbar. Die Inhalte wurden mündlich überliefert und gelebt. Das Neujahrsfest wird am zweiten Mittwoch im April gefeiert. Neben dem Schöpfergott hat der Engel Pfau eine wichtige Bedeutung. Zu der Glaubensgemeinschaft zählen heute ca. 800 000 Menschen, durch die Verfolgungen sind viele Menschen aus ihren Heimatländern geflohen. Eine große Gruppe lebt in Norddeutschland, Bielefeld, Celle, Kleve. Der Glaube wird mündlich von Generation zu Generation weitergegeben. Das Heiligtum, eine Art „Tempel“, das Lalish steht im Nordirak. Das geistliche Oberhaupt lebt dort zölibatär. Anwesend waren in Bielefeld neben dem Vorstandsvorsitzenden auch ein Geistlicher/Priester. Er ist in die Priesterkaste hineingeboren und entscheidet, ob er als Priester tätig sein will. Ob ein Priester von der Gemeinde anerkannt ist, zeigt sich daran, wie häufig er zu Fragen des Glaubens, im Trauerfall, in Streitfragen und für seelsorgliche Gespräche von den Gläubigen gerufen wird. Der anwesende Priester arbeitet ehrenamtlich, er wird von vielen Gläubigen gerufen und ihm wurde eine große Wertschätzung entgegengebracht. In Bielefeld unterweist er Jugendliche, so dass das Wissen der Religion nicht verloren geht. Die Gläubigen beten dreimal täglich, eine Liturgie wird in Bielefeld nicht gefeiert. An diesem Abend waren in der Halle viele Menschen versammelt aus Anlass einer Trauerfeier mit der zuvor in den Räumlichkeiten stattfindenden Waschung.

Vom Schicksal der durch die sog. IS Kämpfer verschleppten und verkauften Frauen und Mädchen und der Gläubigen, die in die Berge geflohen sind, wurde von Verwandten und Augenzeugen berichtet. Die yesidischen Gemeinden haben die Medien auf die Situation der verfolgten Minderheit aufmerksam gemacht. Es ist der 74. Genozid, den diese Religionsgemeinschaft erleidet. Deutlich wurde auch, dass das nicht reicht. Die traumatisierten Frauen und Mädchen brauchen Hilfe. Zu den Ärzten und Therapeuten vor Ort haben sie kein Vertrauen, da sie dort keinen Schutz, vielfach noch mehr Leid erfahren haben. Der Wunsch, dass diese Frauen in einem geschützten Raum ihre Traumata aufarbeiten können, wurde deutlich geäußert. Ob das in Deutschland oder in einer zu errichtenden Schutzzone sein sollte, darüber besteht kein Konsens. Wir gehen nach Hause mit der Tatsache, dass wir den Frauen helfen müssen und der Frage, wie sich das verwirklichen lässt.


Helene Dieckmann-Hoffmann Osnabrück, 10.01.2015

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